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Die Kirche Langnau

Bärenplatz 5

Eine mindestens 900-jährige Geschichte

Die heutige Kirche wurde 1673 von Baumeister Abraham Dünz I auf den Grundmauern von mindestens drei Vorgängerkirchen erbaut. Erst eine Grabung durch den Archäologischen Dienst würde die heutigen Vermutungen erhärten, dass das Dorf Langnau bereits vor der Klostergründung Trub (1125) eine eigene Kirche besass.

Die mittelalterliche Vorgängerkirche war dem heiligen Martin gewidmet. Die Verehrung dieses Heiligen, der im ersten Jahrtausend sehr populär war, lässt auf das Alter von Dorf und Kirche schliessen.

Wegen der massiven Zunahme der Täufer und der aufständischen Landbevölkerung (Bauernkrieg 1653) ordnete die Regierung in Bern im 17. Jahrhundert den Neu- und Wiederaufbau von über dreissig Kirchen an. Sie beauftragte ihren Münsterbaumeister Abraham Dünz I mit dem Neubau einer reformierten Kirche in Langnau.
Nach dem Bau von 1673 wurde die Kirche mehrfach renoviert und häufig dem Geschmack der Zeit angepasst. So verzierten verschiedenartige Malereien die Wände und die Decke, einmal als bunt wuchernde Pflanzengirlanden, einmal als Vorhangimitationen, einmal als nüchterne geradlinige Quadereinteilungen.

 

Die Renovation von 1997/1998

Schäden an Turm, Boden und am  Mauerverputz machten die Planung einer umfassenden Renovation notwendig. Neben der Behebung der Schäden sollte die Grosszügigkeit der ursprünglichen Saalkirche von Abraham Dünz I so weit wie möglich wieder hergestellt werden.

Elemente, die aus der Bauzeit von 1673 stammen und wieder restauriert wurden:

 

Die aus Tannenholz gefertigte Decke

Um dem Holz ein edleres Aussehen zu verleihen, wurde es wie 1673 mit Knochenleim eingefärbt. Die rauchschwarzen Schablonenmalereien, von denen nur noch Farbspuren gefunden wurden, sind der Decke in der Kirche Trub nachempfunden.

Die Kanzel

Die Kanzel ist geschmückt mit dem Wappen des Stifters Samuel Frisching (Widder).

Der Abendmahlstisch

Der Abendmahlstisch wurde von der Einwohnergemeinde Langnau zur Einweihung von 1674 gestiftet.

Der Taufstein

Die zweite Frau des Schultheissen Samuel Frisching liess den Taufstein mit ihrem Wappen der Familie von Bonstetten verzieren.

Die Glasfenster

Die alten Glasfenster auf der Südseite wurden zur Einweihung von 1674 gespendet.

Elemente, die aufgrund archäologischer Untersuchungen wieder hergestellt wurden:

Der Sandsteinboden im Chor: Die Ausrichtung und die beeindruckende Grösse der Platten entspricht dem ursprünglichen Boden.


Zwei Chorstühle in der Chormitte: Während den Renovationsarbeiten wurden auf dem Estrich zwei alte Chorstühle entdeckt. Sie wurden mit über 300-jährigem Holz, das die Denkmalpflege unserer Kirchgemeinde überliess, restauriert und durch moderne Chorstühle ergänzt.


Der Holzboden: Nachdem der defekte Muschelkalkboden entfernt worden war, fand man Überreste eines Holzbodens - sehr zur Überraschung der Denkmalpflege, da Abraham Dünz I den Boden der Kirchen normalerweise mit Sandstein auslegen liess. Es wird vermutet, dass die ursprünglichen Bodenbrettern von Dürsrütitannen stammten.


Die gemalte Fensterumrahmung: Die Fensterumrahmung wurde aufgrund von Farbspuren  an der äusseren   Südfassade restauriert.

 

Kirchenfenster im Chor

Die Kirchenfenster im Chor wurden während der Renovation von 1897/98 eingesetzt. Den Auftrag, für die Pläne und den Kostenvoranschlag der Kirchenrenovation zu sorgen, erhielt Pfarrer Dr. Ernst Müller. Seine Tochter war die bekannte Kinderbuchschriftstellerin Elisabeth Müller, deren Gedenkstein am Pfarrhaus an der Haldenstrasse zu sehen ist.
Die Kirchenfenster wurden von der "Mayer'schen Kgl. Hofkunstanstalt München" geschaffen.
Am Basar, dessen Erlös dem Erwerb der Kirchenfenster diente, wurde unter anderem ein "Naturalienkabinett" mit Röntgenstrahlen gezeigt. Die Röntgenstrahlen kannte man erst wenige Jahre, und man wusste noch nicht, wie gefährlich sie sein können. Man brauchte sie, um die Knochen des Partners zu bestaunen.

Orgel

Die heutige, vierte Orgel wurde während der Renovation von 1958 von der Firma Kuhn in Männedorf nach einem Konzept des bekannten Berner Orgelexperten Ernst Schiess erbaut. Sie umfasst 36 Register und wurde während der letzten Renovation vollständig zerlegt, revidiert und wieder aufgebaut.

 

Der Kirchturm

Als 1673/74 nach den Plänen von Abraham Dünz I an Stelle der alten Martinskirche eine neue Kirche entstand, bezog man den alten Turm, der vermutlich aus Steinen der Vorgängerkirchen gebaut worden war, mit in den Neubau ein. Der obere Teil besteht aus Tuffstein, der anlässlich der Renovation von 1997/1998 wieder sichtbar gemacht wurde. Glockenstube und Turmhelm erfuhren im Lauf der Jahrhunderte mehrere Umbauten.
Das heutige Aussehen erhielt der Turm 1938 unter der Bauleitung des Langnauer Architekten Mühlemann.

 

 

 

Die Glocken

Die älteste und grösste Langnauer Glocke, die 1617 in Bern gegossen worden war, wurde 1815 durch zwei neue ergänzt. Die drei Glocken klangen im Dur-Dreiklang D/Fis/A zusammen. Damit der Klöppel nicht immer auf der gleichen Stelle aufschlug und die Glocke beschädigte, musste sie nach einigen Jahren gedreht werden. 1922 liess die grösste Glocke durch ihren Ton erkennen, dass sie gesprungen war. Da die Kirchgemeinde hohe Ansprüche an die Qualität des Geläutes stellte, wurden alle Glocken durch neue ersetzt. Heute erklingt das Geläute in C/Es/F/G/B. Die Glocken läuten je nach Anlass in 23 verschiedenen Kombinationen.

Glockengeläut reformierte Kirche Langnau i.E.


Vision Kirche 21 - Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn