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Bezirk Oberemmental

Oberemmentaler bleiben eigenständig (Artikel aus der Berner Zeitung vom 21.12.2010)

Wie in der Politik hätten das obere und untere Emmental auch in der reformierten Kirche zu einem einzigen Bezirk zusammengeschlossen werden sollen. Doch so weit kommt es nicht.

Bild: Grafik: BB

Schon damals, vor gut vier Jahren, kämpften die Oberemmentaler gegen die Bezirksreform. Es mache keinen Sinn, die Amtsbezirke aufzuheben und das obere sowie untere Emmental in einen einzigen Verwaltungskreis zusammenzufassen, sagten die Lokalpolitiker. Doch die Mehrheit im Kanton sah es anders und stimmte der Reform zu.

Diese hat auch Auswirkungen auf die Kirche. Denn die Wahlen für die sogenannte Synode, für das Kirchenparlament also, werden jeweils vom Kanton abgewickelt. Weil dies einfacher gehe, wenn die kirchlichen Bezirke mit den politischen Verwaltungskreisen möglichst identisch seien, verlangte der Kanton von der Kirche ebenfalls eine Reform. Nun fand die Debatte in der Synode statt. Dort setzte die Oberemmentaler Delegation durch, dass die Bezirke Ober- und Unteremmental sich nicht zusammenschliessen müssen, sondern weiterhin getrennt bleiben dürfen. Alle anderen Bezirke werden wie vorgesehen vereint.

«Alles wird unpersönlicher»

«Ich bin überrascht, dass wir es geschafft haben», sagt Monika Tschanz, die Signauerin, die in der Synode für das Anliegen der Oberemmentaler kämpfte. Sie habe in den Kirchgemeinden und bei den Kirchenfunktionären viele Ängste gespürt, berichtet sie. Die Mehrheit der Leute sei dagegen, dass etwas gut Funktionierendes zusammengeschlossen werde. Ein Bezirk für das ganze Emmental mache alles «unpersönlicher und bürokratischer» und habe längere Wege zur Folge. Mit anderen Worten: «Viele Leute sind mit der politischen Bezirksreform nicht zufrieden und fürchten um die Identität», sagt Tschanz. Deshalb habe sie die Oberemmentaler Speziallösung propagiert, obwohl sie persönlich auch mit dem Zusammenschluss zu einem Kirchenbezirk hätte leben können.

«Unser Engagement ist nicht gegen das untere Emmental gerichtet», sagt Monika Tschanz. So sträubten sich die Unteremmentaler Synodalen, wie die Mitglieder des Kirchenparlaments genannt werden, denn auch nicht gegen den Antrag ihrer Oberemmentaler Kollegen. Der Tenor: «Wer sich nicht zusammenschliessen will, den sollte man nicht dazu zwingen.»

Derweil wehrte sich der Synodalrat, also die Exekutive, vergebens gegen die Emmentaler Extrawurst. Auf politischer Ebene sei lange um die Grenzen der Verwaltungseinheiten gerungen worden, argumentierte der Rat. «Es macht wenig Sinn, die gleiche Diskussion auf der kirchlichen Ebene nochmals zu führen.»

«Es ändert sich wenig»

Nun werden die Grenzen vielerorts bereinigt. Die Kirchgemeinden Limpach und Grafenried/ Fraubrunnen sind derzeit noch Teil des Unteremmentaler Bezirks. Da sie politisch neu aber zum Verwaltungskreis Bern-Mittelland gehören, wechseln sie auch kirchlich ins Mittelland. Dürrenroth indes bleibt ein Spezialfall, der politisch zum Emmental, kirchlich aber weiterhin zum Oberaargau zählt.

Nächsten Sommer befasst sich die Synode in zweiter Lesung nochmals mit der Reform. Daran, dass das obere und untere Emmental weiterhin zwei separate Bezirke bilden, dürfte aber nicht mehr gerüttelt werden. «So oder so ändert sich nicht wahnsinnig viel», sagt Thomas Gehrig, Kommunikationschef der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn. Die Regionen könnten wie bisher zusammenarbeiten – ob mit oder ohne Zusammenschluss. (Von Markus Zahno, Berner Zeitung)


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