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Bezirk Oberemmental

Zeitungsartikel der Bernerzeitung: "Radio Heimatklang tritt schweres Erbe an"

Aus dem defizitären Volksmusiksender Neo zwei ist das Radio Heimatklang geworden. Der Sender will mithilfe von Werbeeinnahmen überleben und sich verstärkt national orientieren.

Sie haben das kränkelnde Volksmusikradio Neo zwei in den Sender Radio Heimatklang verwandelt: VR-Präsident Marc Lauper, VR-Mitglied Daniel Dubach, Webmaster Tiziana Gaetani und  Marketingleiter Mike Brechbühl (von links).

Sie haben das kränkelnde Volksmusikradio Neo zwei in den Sender Radio Heimatklang verwandelt: VR-Präsident Marc Lauper, VR-Mitglied Daniel Dubach, Webmaster Tiziana Gaetani und Marketingleiter Mike Brechbühl (von links).
Bild: Thomas Peter

Seit gestern sendet das Radio Heimatklang rund um die Uhr Volksmusik – via Internet sogar in die ganze Welt. Radio Heimatklang hat den kränkelnden Sender Neo zwei der Radio Emme AG aufgekauft und nun ersetzt. «Wir setzen auf handgestrickte Volksmusik aus dem Alpenraum», sagte am Mittwoch Verwaltungsratspräsident Marc Lauper anlässlich der Lancierung. Handgestrickt, das bedeute für ihn ursprüngliche Volksmusik, die ohne Strom produziert werde. In 80 Prozent der Sendezeit soll Volksmusik gesendet werden, die restliche Zeit gehört Wortsendungen. In Gefässen wie «Volkstümliche Delikatessen» werden den Hörern spezielle oder unbekannte Leckerbissen serviert. Weiterhin gesendet wird auch die sonntägliche Predigt. Sein Programm produziert Radio Heimatklang weiterhin in den Räumlichkeiten der Radio Emme AG, die beiden Mitarbeiterinnen von Neo zwei wurden übernommen.

Die Macher des neuen Radios sind euphorisch. Das Marketing wird von Profis gemacht. Swissness sei wieder im Trend, so Lauper, und auf diesen Zug will auch Radio Heimatklang aufspringen und eine urschweizerische Tradition in die Welt tragen.

Nach wie vor nur via Kabel, Satellit und Internet

Doch es ist kein einfaches Erbe, das der Radiosender antritt. Neo zwei war seit dem Gründungsjahr 2008 defizitär und das Sorgenkind der Radio Emme AG (wir berichteten). «Vorsichtig formuliert lässt sich sagen, dass Neo zwei vernachlässigt worden ist», glaubt Lauper. Aber auch für den neuen Sender haben sich die Rahmenbedingungen nicht geändert. Heimatklang kann wie bereits Neo zwei nur via Satellit, Kabel oder Internet gehört werden. Keine ideale Voraussetzung also für einen Sender, dessen Hörerschaft hauptsächlich aus ländlichen Gebieten stammt und längst nicht immer über einen Internetzugang verfügt. «Eine Konzession zu erhalten, um das Radio via Äther senden zu können, ist nicht einfach», erklärt VR-Mitglied Daniel Dubach. «Auch die finanziellen Mittel reichen vorerst nicht dafür.»

Die Macher hoffen auf Werbeeinnahmen

Womit Dubach bereits das zweite Problem angesprochen hat: das Geld. Die Radio Heimatklang AG hat für ihre Gründung 100'000 Franken auftreiben können. Der grösste Teil des Geldes stammt von der ökumenischen Medienkommission sowie einer bernischen Stiftung, am Rest beteiligte sich die Radio Emme AG in Form von Aktien. Wie aber die Zukunft des Senders aussieht, hängt ganz von den Werbeeinnahmen ab. Denn diese sollen das Radio finanzieren. Bisher sei es schwierig gewesen, für den Sender Neo zwei Werbung zu verkaufen, so Dubach. «Wenn der Coiffeur aus Langnau via Lokalradio Werbung machen will, dann tut er dies auf Neo eins, denn damit erreicht er viel mehr Zuhörer», erklärt Lauper. Mit der Lossagung vom Mainstreamsender hofft die Radio Heimatklang AG ihren neuen Spartensender für grosse Firmen interessant zu machen. Zumal man ja weltweit ausstrahle. Lauper rechnet mit einem jährlichen Budget von 160'000 Franken.

15'000 Hörer zählte Neo zwei bisher laut einer Studie von Publica Data. Mit dieser Zahl rechnet Lauper auch in Zukunft. «Wir sprechen vor allem Vereinsleute an.» Deshalb existiert neben der AG auch ein Verein. Derzeit zählt er 450 Mitglieder. Die Beziehungen innerhalb des Vereins will Lauper mit Sorgfalt pflegen. «Auch das gehört zu unserer neuen Ausrichtung», erklärt der Emmentaler Pfarrer.

Von Annina Hasler. Aktualisiert am 02.02.2012 

(Berner Zeitung)


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